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Die Historie der GKG Spönnradsbeen Hardt –1857 e.V.

 

Mit 150 Jahren ist die GKG Spönnradsbeen Hardt die älteste Karnevalsgesellschaft im Mönchengladbacher Karnevalsverband (MKV). Daher ist es auch unmöglich, eine lückenlose Chronik über einen Verein zu verfassen, der die Wirren zweier großer Weltkriege im Land überlebt hat. Bis Anfang der 80er Jahre ging man vom Gründungsjahr 1871 aus, da aus dieser Zeit eine handgemalte Fahne existierte. Leider wurde diese Fahne während einer Herrensitzung im Saal Pauen gestohlen. Nach den Angaben dieser Fahne feierte unsere KG im Jahr 1971 das 100 jährige Bestehen, bis kurze Zeit später der Heimatforscher und Konrektor Peter Grams eine Entdeckung im Pfarrarchiv machte. Dort war festgehalten, dass eine Hardter Karnevalsgesellschaft am 11. März 1857 bereits eine Spende in Höhe von 47 Taler und 4 Silbergroschen für den Orgelbau der Hardter Pfarrkirche machte. Dies wurde vom damaligen Pfarrer Helmut Commes in einer Urkunde beglaubigt. Es war nämlich unverständlich, dass ein Ort mit rund 2000 Einwohnern zwei Karnevalsgesellschaften hatte. Deshalb ging man davon aus, dass es sich bei dem Verein um die Spönnradsbeener gehandelt haben muss. Auch ist bekannt, dass in Hardt zu dieser Zeit ein organisierter Karneval gefeiert wurde, denn die Kinder hatten an Rosenmontag schulfrei. Zudem muss in den Jahren auch ein Kassenbestand vorhanden gewesen sein, sonst hätte ja keine Spende in der besagten Höhe an die Pfarre gemacht werden können.

Da es jedoch keine Zeitzeugen mehr gibt und niemand genau sagen kann, wie alt nun unsere KG wirklich ist, sollte man es bei dem Gründungsjahr 1857 belassen, obwohl noch heute Bernd Gothe, MKV – Vorsitzender, alljährlich über dieses Ereignis spottet und  ständig nachfragt, wann der nächste Termin zu weiteren Ausgrabungen stattfindet.

Der Name Spönnradsbeen (Spinnradsbeine) entstand, da es in Hardt  viele Hauswebereien gab und das dazugehörende Garn wurde eigens dazu gesponnen. Wenn die Leute abends genug „ gesponnen “ hatten, merkten sie ihren anstrengenden Tag anhand der Schmerzen an ihren „ Spinnradsbeinen “. Wie alte Hardter berichteten, hat man im Jahr 1871 bei Gustav Neyen (Saal Wirtschaft)  Spönnradsbeen ein festes Gefüge gegeben,  dies belegten die  Daten der verloren gegangenen Fahne.

Heinrich Wilms, Heinrich Lommers und Alex Bolten konnten zudem berichten, dass folgende Hardter Männer das Narrenschiff in befahrbare Gewässer steuerten:

Boffe Dicke, Lommertz Michel, Friedese Edmund, Broich Franz- Josef, Juerese Hendrick , Manese Jruet und Neye Gustav waren  diejenigen, die das Narrenschiff steuerten. Hauptdomizil war zu dieser Zeit die Gaststätte Neyen im Tomp. Von Jahr zu Jahr wurde der Hardter Karneval größer und schon bei der Jahrhundertwende hieß es:

„Köln, Venedig und Hardt, einzig in ihrer Art“.

Plakate aus dem Jahr 1897 geben zudem Aufschluss darüber, dass es in Hardt Veranstaltungen und Umzüge zur Karnevalszeit gab, sowie eine Budenschau auf dem Marktplatz. Sonntagnachmittags nach der Vesper begann der eigentliche Trubel, der am Aschermittwoch mit dem Herigschürgen endete. Zudem wurde Sonntagnachmittags der Obernarr in einer großen Schubkarre zum Marktplatz gefahren und dort aufgekippt. Zuvor hatte man auf riesigen Plakaten an Toren und Giebeln auf diese Veranstaltungen hingewiesen, so dass Menschen von Nah- und fern dieser Sache beiwohnten. Hauptakteure zu der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, waren: Boffe Decke, Windhausen Jupp, Schnieder Konrad, dä alde Knippertz Karl und Telmkes Josef. Der Hardter Totengräber, Franz Schmitz fungierte immer als Polizist, mit blankem Säbel, er hatte zu Karneval immer die Gewalt inne, denn die wirklichen Polizisten, Moll und Besem waren für drei Tagen ihres Amtes enthoben. Schmitz Franz holte für diese drei Tagen sogar Kinder und Lehrer aus der Schule und beurlaubte sie. Unter der Leitung von Josef Ungerechts senior, wurde der Karnevalszug durchgeführt, der in den ersten Jahren Dienstags stattfand, jedoch nach kurzer Zeit Montags durch Hardt zog. Vier Ortsteile von Hardt beteiligten sich an diesem Zug: Tomp. Dorfmitte, Storms Pomp und Vorst unterstützten den Zug, der durch Sammlungen oder Eintrittsgelder finanziert wurde. Auch  Prinzenpaare gab es zur  damaliger Zeit, leider sind die Namen der Prinzessinnen in Vergessenheit geraten, jedoch waren folgende Herren Prinzen: Jupp Cux, Pillen Heinrich, Ditges Jupp sen; Butzen Hugo sen, Casteel Michel, Theissen Schnieder, genannt d`r Mollschnacke und schließlich Josef Ungerechts sen.

Während der ersten Weltkriegsjahren ruhte wie überall in Deutschland der Verein und startete in den 20er Jahren neu. Hierzu muss Josef Ungerechts jun. genannt werden, der jahrelang Präsident war und sehr viel in Bewegung setzte, damit der Hardter Karneval ein neues Gesicht bekam. In Verbindung mit Pfarrer Orth, der nach Köln einen heißen Draht hatte, da er einst  dort Kaplan war, wurden die Sitzungen in Hardt nach Kölner Vorbild gestaltet und Josef Ungerechts leitete bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg die Sitzungen. Als Kanonen in der Bütt galten: Knippertz Jupp, Bonnes Fritzke und der beim Publikum unter dem Namen „Riethmäkkisch Kneit“, Bernhard Stender, der auch mit seinem Bruder oder seine Frau auftrat. Nicht zu vergessen sind auch Willi Braßeler und Peter Rockenbach. Rockenbach und Stender hielten dem Publikum immer mit ihrem „Hardter Allerlei“ alljährlich in Spannung. Zu dieser Zeit fuhren Verhufen Heinrich, Hindsches Toni, Stender Bernhard, Wilms Heinrich und Franz Schmitz als Prinz durch Hardt.

Während des 2. Weltkrieges und dessen Nachkriegswirren, zwischen 1940 und 1948, gab es eine erneute Zwangspause in der Geschichte der Gesellschaft. Man traf sich im Jahr 1948 bei Gastwirt Hubert Bonnes (Rommerskirchen) zu einer Generalversammlung, um einen neuen Aufbruch zu beschließen. Leider musste man feststellen, dass bei einem Granateinschlag im Haus Pauen die meisten Requisiten zerstört worden waren. Josef Schroers war es, der aus diesem Chaos noch einiges rettete und schließlich konnte man am 16. Januar 1949 vor ausverkauftem Saal einen Neu Anfang starten. Nach einer Generalversammlung im Jahr 1950 war der Vorstand auf vier Personen zusammengeschrumpft, daher wählte man Peter Claßen zum neuen Vorsitzenden. Jedoch verlief die Session 1950/51 ohne Veranstaltungen.

1951 gingen dann Heinz Braßeler und Josef Schroers ans Werk und führten eine Tanzveranstaltung mit Bütteneinlage durch. Dadurch konnten sie den Kassenbestand vom 11.11.1951 von 16 D-Mark auf gut 800 D- Mark am 23.2.1952 aufbessern. Somit konnte der verdiente Kassierer der KG, Gerhard Küppenbender wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Unter Vorsitz von Peter Rockenbach und Präsident Karl Claßen, wurden in der Session 1953/54 wieder Sitzungen veranstaltet. Durch einen Sterbefall in der Familie Claßen, wurde Anfang 1954 Willi Braßeler Präsident.

Im Oktober wurde Hans Schmitter zum ersten Vorsitzenden gewählt  und  Karl Claßen nahm nur unter einer Bedingung die Wahl zum Präsidenten an, wenn die blauen Weberkittel zur Seite gelegt würden. Von dieser Zeit an trat der Elferrat im schwarzen Anzug auf. Ab 1956 segelte das Narrenschiff wieder in ruhigere Gewässer und Spönnradsbeen war in aller Munde.

Es wurden nicht nur Sitzungen in Hardt sondern auch in Herten, Bottrop, Ober- und Niederkrüchten sowie im nachbarlichen Hauptquartier abgehalten.

Dies war nicht zuletzt ein Verdienst unserer einmaligen Büttenrednern und Garden, sondern besonders ein Verdienst von Bert Baumgarten, Toni Vieten, Hermann Küppenbender, Hans Willi Jaspers Josef Schroers, Paul Bereths, Bernhard Stender, Rainer Buschhüter und schließlich Hans Hensges, genannt d´r Kulli. Auch 1956 war ein Jubiläumsjahr, da wurde die KG 85 Jahre. Unter Willi Bereths war auch zu dieser Zeit eine Funkengarde aufgestellt worden, die bis vor dem Krieg als Husaren fungierte. Dazu trug die Garde eine Uniform in grün und rot, die von Franz Maaßen der KG Immer lustig Holt abgekauft wurde, da die alten Uniformen während des Krieges verloren gingen. Später nähten Heinrich Spohr und Heinz Braßeler neue Uniformen und die Garde glänzte damit von vornherein. Kommandanten der Garde  waren Heinz Braßeler, Willi Reitzug und Kurt Loers. Es war im Jahr 1957 als Josef Effertz ein eigenes Fanfarencorps aufstellte. Von nun an trat die KG überall mit ihren eigenen Bläsern und Trommlern auf. Mit einem für die Kasse deutlichen Minus wurde im Jahr 1959 erstmals eine Kindersitzung aufgeführt, die aber trotz dieser Misere bis heute eine feste Größe im Veranstaltungskalender der KG ist. Von 1954 bis 1966 gab es mehrere Vorsitzende, die die Geschicke der Spönnradsbeener leiteten. Diese waren Hans Schmitter, Karl Penris, Karl Claßen, Hans Albertz sowie der unvergessene Heinz Schumacher. Dann am 24. April 1966 wurde Paul Bereths jun. erster Vorsitzender und Präsident der Hardter Jecken. Diese Ämter führte er bis ins Jahr 1991 aus. Zuerst trat er  als Sitzungspräsident zurück, und im Jahr 1993 nach eigenen Wunsch als erster Vorsitzender. Dank der guten Zusammenarbeit  des Vorstandes, wurde in dieser Zeit vieles bewegt, auch wenn sich manchmal die Balken im Gesellschaftszimmer im Haus Pauen bogen. Diese Leute fanden immer wieder zusammen und zeigten eine starke Gemeinschaft. Um welche Personen es hier besonders ging, deren Herzen beim Namen Spönnradsbeen höher schlugen sei kurz genannt: Heinz Schumacher, Willi Reitzug, August Fetten, Hans Peters, Emil Hesse, Hermann Küppenbender, Hans Gaulke, E. Hanewinkel, Günter Schwarz, Heinz Zons, Karl- Heinz Schicks, Bert Baumgarten, Helmut Scheepers und einige Andere mehr. Viele Namen wären sicherlich hier noch zu nennen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Großes Ansehen erhielten die Spönnmänner auch durch einige Initiativen:

Das pflanzen einer Narrenlinde an der Bezirksverwaltungsstelle, die Enthüllung eines Gedenksteines, die Anbringung einer Gedenktafel am Geburtshaus des Tondichters Josef Schroers, die Mitarbeit am Spinnerbrunen auf dem Marktplatz, die Errichtung der Antoniusfigur an der Stadtsparkasse oder die Historientafel ebenfalls am Marktplatz.

Als Familienfest  der besonderen Art gibt es seit 1959,  den  Kinderrosenmontagszug der durch die Straßen von Hardt rollt Dieser Zug steigerte sich von Jahr zu Jahr und hat mittlerweile eine erstaunliche Größe erreicht.

Ein besonderes Datum sei der 14. Januar 1967 genannt, als die Funkengarde zum ersten Mal in ihrer neuen, friderizianischen Uniform, unter der Leitung des unvergessenen Kommandanten Kurt Büsges vorgestellt  wurde. Ein weiteres Highlight war die Einführung der Verleihung des „Joldenen Spönnrads“, das seit 1971 bis auf eine Unterbrechung im Jahr 2005 jährlich verliehen wird.

Dieses Spinnrad erhielten Karnevalsgrößen, die sich auch auf sozialem Gebiet verdient gemacht haben. Erster Träger war Karl Berbuer, gefolgt von Toni Steingass, Jupp Schmitz, Kurt Lauterbach, Dr. Gerhard Jussenhoven Marie – Luise Nikuta und vielen mehr. Eine enge Beziehung hat die KG aber auch zu anderen Hardter Vereinen, so wie die Strafkompanie, die weit

über 30 Jahren die Frühkirmes der St. Nikolausbruderschaft jährlich bereichert. Auch der Sitzungspräsident der KG, Rolf Effertz ist aktiver Strafkompanieler, er leitet seit 1991 die Sitzungen.

Seit 1993 ist Heino Lambertz der neue erste Vorsitzende unserer Gesellschaft und hat mit seinem  verjüngten Vorstand so manches bewegt und vieles verändert. Neue Ideen hielten bei den Spönnradsbeenern Einzug. Es wurde zum Beispiel das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Event „ Hardt RockT “ ins Leben gerufen. Auch wurde die Verleihung des Joldenen Spönnrads in einen anderen, besonderen Rahmen verpackt. Das Schubkarren Rennen am Sonntag vor Karneval ist mittlerweile über die städtischen Grenzen hinaus bekannt und der Event Altweiber Rock ist schon eine Kultveranstaltung im Gladbacher Karneval.

Auch zwei Prinzenpaare der Stadt Mönchengladbach kamen aus unserer KG:

1971 war Wilfried JaKobs und seine Ehefrau Helga das Prinzenpaar der Stadt Mönchengladbach und 1972 war es Fritz Kleinheuer mit seiner Frau Gerda. Zum Schluss sei noch erwähnt, das die KG über 100 selbstgetextete und vertonte Schlager im Repertoire  hat und dies seit der 150 jährigen Vereinsgeschichte, wo es heißt: Köln Venedig und Hardt, einzig in ihrer Art.

Im Juli 2005 stand die KG durch den Brand in ihrem Vereinslokal Haus Pauen auf einmal ohne Veranstaltungsort da. Die Verleihung des Joldenen Spönnrads im Nov. 2005 mußte abgesagt werden. Die Veranstaltungen für das Jahr 2006 wie Herren / Damen Sitzung sowie eine Kostümsitzung wurden gekänzelt.  Auf den Vorstand kam viel Arbeit zu u. man traf sich fast wöchentlich um die Session 2006 zu retten. Man fand mit viel Schwierigkeiten noch einen Zeltverleiher, geschaltete alle Termine und Veranstaltungen um und ging dann mit gemischten Gefühlen in die Session 2006 / 2007. Das Festzelt an der Glockenstraße in Hardt wurde jedoch von der Bevölkerung sehr gut angenommen und man feierte einen beschwinglichen und ausgelassenen Karneval.

Trotz vielen Rückschläge hat es in unserem Verein immer wieder Männer gegeben, die für den Fortbestand der Gesellschaft Sorge getragen haben und wir, der heutige Vorstand der KG, hoffen, dass dies auch in vielen Jahren noch so sein wird.        

gez. Rainer Thieme ( Info Ehrenvorsitzender Paul Bereths )

 

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